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„Unsere Mitarbeiter sind und bleiben einer unserer wichtigsten Vermögenswerte. Schließlich sind sie es, die dafür sorgen, dass wir erste Wahl für unsere Kunden sind und bleiben.“

 
Ken Allen
Mitglied des Vorstands Express

Interview mit Ken Allen

„In unserem Bereich muss jeder eine ‚Netzwerk-Mentalität‘ haben“

Herr Allen, das Expressgeschäft lebt von der Schnelligkeit und Zuverlässigkeit der Dienstleistungen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche aller beteiligten Akteure an die Umwelteffizienz der angebotenen Produkte und Services. Eine zeitgenaue Zustellung bei gleichzeitig effizienter Routenplanung und ressourcensparender Fahrweise in verbrauchs- und geräuscharmen Fahrzeugen wäre demnach das Ziel – inwieweit ist dieses bereits Realität im Tagesgeschäft?

Wir sind auf einem guten Weg. Mit ausgefeilten Kapazitäts- und Routenplanungssystemen stellen wir sicher, dass wir insgesamt immer den kürzesten und schnellsten Weg zu unseren Kunden nehmen. Wir schulen unsere Kuriere in sicheren und umweltschonenden Fahrtechniken und nutzen in einigen Märkten zusätzlich Telematiksysteme. Außerdem haben wir die Umstellung auf umweltschonende Lieferfahrzeuge – wie Elektrotransporter und Frachträder – beschleunigt und setzen vor allem in Ballungsräumen verstärkt auf die Zu-Fuß-Zustellung durch Kuriere. Diese Maßnahmen haben dazu beigetragen, dass wir die CO2-Effizienz unseres globalen Netzwerks Jahr für Jahr verbessern, obwohl das starke Wachstum des Online-Handels die Zustellung auf der letzten Meile von Grund auf verändert – durch mehr Einzellieferungen (und dadurch mehr Stopps für die Fahrer) an private Adressen und längere Wege. Natürlich können wir noch viel tun, um unseren Bodenbetrieb noch effizienter zu gestalten. Wir werden die Modernisierung unserer Flotte weiter vorantreiben, neue Schulungsmethoden für Fahrer testen und unsere Routenführung ständig überprüfen, um sicherzustellen, dass wir die Erwartungen unserer Kunden an eine möglichst umweltschonende Zustellung erfüllen.

Zur Erreichung der langfristigen Umweltziele des Konzerns wird es maßgeblich sein, auch im Luftfrachtgeschäft die Emissionen immer weiter zu reduzieren. DHL Express ist einer der größten Luftflottenbetreiber weltweit – welche Aktivitäten treiben Sie voran, um Umweltthemen in den Sektoren Transport und Luftfahrt umzusetzen? Welcher dieser Maßnahmen messen Sie für Ihr Geschäft die größte Bedeutung zu?

Wir brauchen Luftfrachtkapazitäten, um unseren Kunden die kurzen Laufzeiten und globalen Verbindungen zu bieten, auf denen unser Serviceangebot gründet. Gleichzeitig verursacht der Luftfrachtbereich mehr Emissionen als jeder andere unserer Geschäftsbereiche und steht daher auch im Mittelpunkt unserer Bemühungen um eine Minimierung unseres ökologischen Fußabdrucks. Bis jemand ein emissionsfreies Flugzeug entwickelt – was einen enormen Technologiesprung gegenüber dem heutigen Stand der Technik erfordern würde – können wir die deutlichsten Emissionssenkungen erzielen, wenn wir unsere Effizienz verbessern. Bei DHL Express drückt sich dies darin aus, dass wir mehr moderne, treibstoffsparende Flugzeuge einsetzen, die Auslastung unserer Flugzeugflotte verbessern und unsere Routen effizienter planen. Außerdem nutzen wir langsamere, sauberere Transportmittel, wann immer wir die gefragten Routen mit diesen genauso gut abdecken können, ohne Abstriche beim Service machen zu müssen.

Auch das Mitarbeiterengagement ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für ein Geschäft, in dessen Zentrum der tägliche millionenfache Kundenkontakt steht. Sind seit Einführung des konzernweiten Entwicklungs- und Engagement-Programms „Certified“ bereits positive Entwicklungen bei DHL Express spürbar? Wie wirkt sich der Kulturwandel im Geschäftsalltag aus?

DHL Express ist sozusagen der Vorreiter der konzernweiten Certified-Initiative, die auf dem enorm erfolgreichen Certified International Specialist Programm aufbaut, das wir 2010 weltweit eingeführt haben. Dieses Programm hat sich für unseren Bereich seither in jedem Jahr enorm positiv ausgewirkt – zum Beispiel durch bessere Bewertungen des Mitarbeiterengagements und der aktiven Führung in unserer Mitarbeiterbefragung, eine höhere Kundenzufriedenheit und Produktivitätssteigerungen, die sich in unserer Ertragsentwicklung der letzten sieben Jahre widerspiegeln. Wir betreiben eine Transport- und Technologieinfrastruktur im Wert von mehreren Milliarden, aber unsere Mitarbeiter sind und bleiben einer unserer wichtigsten Vermögenswerte. Schließlich sind sie es, die dafür sorgen, dass wir erste Wahl für unsere Kunden sind und bleiben. Ich sehe mit großem Stolz, wie der Certified-Ansatz die ‚Can Do‘-Kultur bei DHL Express geprägt hat und als konzernweite Initiative in die Strategie 2020 integriert worden ist. Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Certified-Ansatz einen maßgeblichen Beitrag zur Realisierung der Ziele im Rahmen der Connect-Säule der Strategie 2020 leisten wird – indem er unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu befähigt, ihr enormes Potenzial voll auszuschöpfen und als Team weiter einen herausragenden Service und Mehrwert zu liefern.

Die Mitarbeiter von DHL Express stellen häufig das Gemeinschaftsgefühl als ein besonders motivierendes Element ihrer täglichen Arbeit heraus. Wie steht das Management im Kontakt zu den Mitarbeitern in der Fläche, und wie fördern Sie diese Zusammengehörigkeit?

In unserem Bereich muss jeder eine ‚Netzwerk-Mentalität‘ haben. Das ist eine unverzichtbare Voraussetzung für unseren Erfolg. Ich predige immer, dass Führungskräfte so viel wie möglich „draußen und an der Basis“ sein sollten, und ermutige unsere weltweiten Manager dazu, den größten Teil ihrer Arbeitszeit beim Kunden und im Gespräch mit ihren Mitarbeitern zu verbringen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir stets wissen, was unsere Mitarbeiter motiviert, und die Geschäftsbeziehungen zu unseren Kunden stärken. Das gleiche gilt für mein Führungsteam. Jeder von uns verbringt mehr als 70 Prozent seiner Zeit mit Besuchen unserer Länderorganisationen, Treffen mit Kunden und Mitarbeitern oder Anlagenbesuchen, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und sich selbst einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Dinge laufen. Wir haben diese Führungswerte durch das Certified International Manager Programm auch formal in unsere Kultur integriert. Die Tatsache, dass unsere globalen Vorstände selbst CIM- und CIS-Workshops leiten, unterstreicht unser Bekenntnis zu diesen Werten. Außerdem hilft es uns, einen regelmäßigen offenen Austausch mit Mitarbeitern auf allen Ebenen darüber zu führen, wie wir noch besser im Team zusammenarbeiten und noch bessere Leistungen erbringen können.

Unser Stichwort für den diesjährigen Bericht zur Unternehmensverantwortung heißt: „Das Ganze sehen“: Welche Entwicklungen und Trends betrachten Sie als maßgeblich für das Expressgeschäft, und welchen Fokus werden Sie für das Jahr 2017 legen?

Das internationale Expressgeschäft ist ein etablierter, sehr wettbewerbsintensiver Markt. Die großen Player verfügen alle über eine gut ausgebaute Infrastruktur und auch die grundlegenden Servicestandards sind insgesamt relativ hoch. Trotzdem gibt es immer noch jede Menge Ineffizienzen in den globalen Lieferketten und der internationalen Regulierung des Handels. Durch relativ kleine Anpassungen in unseren Netzen und Abläufen können wir dramatische Serviceverbesserungen erzielen. Diese „schrittweisen Innovationen“ haben erhebliche Auswirkungen auf unser globales Serviceangebot. Beispielsweise haben wir 2016 in unserem europäischen Hub in Leipzig eine neue automatisierte Sortieranlage für schwerere Sendungen in Betrieb genommen. Diese verkürzt die Umschlagzeit für diese Sendungen (sowie die Kosten und die Fehleranfälligkeit in der Abfertigung) erheblich und schafft so einen klaren Mehrwert für unsere Kunden. Für längerfristig sehr spannend halte ich Möglichkeiten für weitere Effizienzsteigerungen in unserem Netzwerk und zusätzliches Wachstumspotenzial durch Entwicklungen im Bereich der Automatisierung. Außerdem gehe ich fest davon aus, dass wir Entwicklungen im Bereich der E-Mobilität und treibstoffsparenden Flugzeuge nutzen werden, um unsere globale Transportflotte noch grüner zu machen.