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„Bei der Deutschen Post arbeiten traditionell sehr viele Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur hervorragend zusammen, die helfen sich gegenseitig, betrachten sich als Kollegen. Als genauso selbstverständlich sehen es jetzt viele an, auch Flüchtlingen zur Seite zu stehen.“

 
Jürgen Gerdes
Mitglied des Vorstands Post - eCommerce - Parcel

Interview mit Jürgen Gerdes

"Das Erneuern steckt uns in den Genen“

Herr Gerdes, im vergangenen Jahr hat sich die Deutsche Post für die Flüchtlingshilfe in Deutschland stark gemacht und wurde dafür unter anderem mit dem Deutschen CSR Preis ausgezeichnet. Auch im kommenden Jahr sollen Integration und Berufseinstieg geflüchteter Menschen vom Konzern weiter gefördert werden. Welche Schwerpunkte wollen Sie in dieser Arbeit setzen?

Die Projekte, bei denen wir uns engagieren, sind ja alle auf Dauer und nachhaltig angelegt. Das trifft natürlich auch auf die Flüchtlingshilfe zu. Darum werden wir uns auch künftig auf diejenigen Schwerpunkte konzentrieren, die wir von Anfang an als richtig und besonders wichtig identifiziert haben: nämlich Spracherwerb und Berufsvorbereitung. Wenn man sieht, dass allein in unserem Unternehmen über 450 geflüchteten Menschen über ein Praktikum erste berufliche Chancen eröffnet wurden und sogar knapp 300 fest angestellt worden sind, dann wird klar: Unsere Arbeit war erfolgreich. Und das wollen und werden wir fortsetzen. Natürlich auch weiterhin in enger Zusammenarbeit mit Organisationen wie der Stiftung Lesen, aber zusätzlich auch noch enger abgestimmt mit der Bundesagentur für Arbeit und anderen DAX-Unternehmen. Gerade Geflüchteten, die etwa im Heimatland keinerlei Ausbildung hatten und nun vor besonders großen Schwierigkeiten stehen, soll so künftig noch besser geholfen werden.

Die Wirksamkeit der Integrationsangebote beruht maßgeblich auf dem persönlichen Einsatz der Mitarbeiter. Wie motivieren Sie die Mitarbeiter dazu, sich ehrenamtlich zu engagieren, und auf welche Aktionen sind Sie persönlich besonders stolz?   

Offen gesagt: Einer solchen Motivation „von oben“ bedarf es gar nicht. In jeder Niederlassung, an beinahe jedem Standort sind Beschäftigte von Anfang an aus eigenem Antrieb aktiv geworden- insgesamt mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei der Deutschen Post arbeiten traditionell sehr viele Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur hervorragend zusammen, die helfen sich gegenseitig, betrachten sich als Kollegen. Als genauso selbstverständlich sehen es jetzt viele an, auch Flüchtlingen zur Seite zu stehen. Wobei ich besonders stolz bin auf unsere über 100 Koordinatoren, die neben ihrer harten täglichen Arbeit über 1.000 Projekte und Aktionen vorantreiben und dabei Großes leisten!

Neben dem sozialen Engagement liegt ein ebenso gesellschafts- wie geschäftsrelevanter Schwerpunkt Ihres Unternehmensbereichs im Umweltschutz. Mit dem StreetScooter hat die Deutsche Post 2016 Erfolgsgeschichte in der umwelteffizienten Zustellung geschrieben. Sind bereits weitere smarte Innovationen im Bereich Post-Commerce-Parcel absehbar und werden die Mitarbeiter in deren Entwicklung eingebunden? 

Ja, das Erneuern steckt uns in den Genen –  und wir haben in der Tat sehr gute Erfahrungen damit gemacht, beispielsweise bei der Entwicklung des StreetScooters zahlreiche Mitarbeiter sehr aktiv zu beteiligen. Denn bei aller ökologischen Relevanz: Für die Beschäftigten ist das Fahrzeug zunächst einmal ein Werkzeug, das sie bei der Arbeit Tag für Tag optimal unterstützen soll. Und das funktioniert deshalb so gut, etwa bei der Ergonomie, weil etliche Zustellerinnen und Zusteller im Entwicklungsprozess ihre Ansprüche und Vorstellungen konkret eingebracht haben. Was übrigens auch für andere Neu- und Weiterentwicklungen im Bereich der umweltschonenden Zustellung gilt. Man darf ja nicht vergessen, dass etliche Tausend Zustellerinnen und Zusteller zu Fuß oder mit dem Fahrrad ihre Bezirke bedienen. Das tun sie mehr und mehr mit Hilfe von uns selbst entworfener und gebauter Elektro-Karren, E-Bikes und E-Trikes. Und auch die werden genauso wie etwa neuentwickelte Regenkleidung oder andere Ausrüstung von ihren künftigen Nutzern auf Herz und Nieren geprüft, bevor sie in Serie gehen. Insgesamt ist es unser Ehrgeiz, nicht nur bei innovativen Kundenservices, sondern auch bei Innovationen im Bereich Arbeitsmittel ganz weit vorn und in der gesamten Branche führend zu sein.

Die Deutsche Post profitiert im Besonderen vom Wachstumsmarkt Online-Handel. Gibt es nachweislich positive Einflüsse, die sich daraus für die Umwelt ableiten lassen? Oder: Wie umweltfreundlich ist das Online-Shopping?  

Im Zusammenhang mit dem StreetScooter betone ich in vielen Diskussionen eben genau diesen Aspekte immer wieder. Ich sage: Ja, Online-Shopping wächst, und damit wachsen auch die Anzahl der Pakete und die ganze Logistik drumherum. Aber wenn man genau diesen Aspekt richtig handhabt und so wie wir immer wieder neue Ideen hat, muss mehr Paketlogistik nicht zwangsläufig zu mehr Umweltbelastung führen. Vor allem dann nicht, wenn man die letzte Meile bis zur Zustellung mit batteriebetriebenen Fahrzeugen bedient. Aber unser Ansatz geht ja schon lange sehr weit über solche Überlegungen hinaus. Ich denke da etwa an unsere Packstationen, inzwischen um die 3.000 Stück bundesweit, die von den Kunden in erster Linie als besonders praktisch und bequem wahrgenommen werden. Aber aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, haben sie auch eindeutig einen umweltschonenden Effekt. Denn die Pakete, die wir auf Wunsch der Empfänger in der Packstation deponiert haben, müssen nicht mehr zu jeder einzelnen Haustür transportiert werden. Und von dort, weil der Empfänger vielleicht nicht zu Hause war, wieder zu einer Postfiliale, von wo sie wiederum abgeholt werden müssen. Auch andere Angebote wie der Paketkasten, die Wunschortzustellung oder die Wunschzeitzustellung gehen in genau diese Richtung: Sie erleichtern unseren Kunden auf eine höchst angenehme Weise das Leben, sorgen aber gleichzeitig dafür, dass Pakete schnellstmöglich und mit der geringstmöglichen Belastung für die Umwelt zugestellt werden.  

Der Bericht zur Unternehmensverantwortung ist in diesem Jahr mit dem Stichwort „Das Ganze sehen“ übertitelt. Auf welche Themen der verantwortungsvollen Geschäftsführung werden Sie sich im Jahr 2017 – im Großen oder im Detail – besonders konzentrieren?   

Wenn ich auf das Ganze sehe, habe ich natürlich in erster Linie auch immer unsere Konzernstrategie im Blick, dabei insbesondere den Aspekt GROW. Gerade unser Bereich E-Commerce und Paket weist ja ein starkes, nachhaltiges Wachstum auf, wie angesichts der Rekordzahlen rund um Weihnachten wieder besonders augenfällig geworden ist. Die Rahmenbedingungen dieses Wachstums auch weiterhin verantwortungsvoll zu gestalten – das wird einer der Punkte sein, auf die ich mich konzentriere. Etwa indem ich mehr und mehr Standorte bundesweit mit StreetScootern und anderen modernsten E-Fahrzeugen ausstatte; aber auch, indem ich unsere Sortierlogistik weiter optimiere, wie etwa am neuen, auch ökologisch vorbildlichen Standort Obertshausen.